Laut Studie: Frühstück weglassen erhöht Depressionsrisiko

Mehr als 332 Millionen Menschen weltweit leiden unter Depressionen. Eine bahnbrechende neue Studie zeigt jetzt: Schon unser morgendliches Essverhalten beeinflusst die Psyche radikal. Warum das Auslassen der ersten Mahlzeit des Tages das Risiko für depressive Symptome nachweislich in die Höhe treibt – und was Forscher bei 22.000 Erwachsenen herausfanden.

Eine Frau wirkt verzerrt vor blauem Hintergrund© Getty Images/Curly_photo
Wer morgens regelmäßig auf die erste Mahlzeit verzichtet, riskiert laut einer neuen Großstudie mit 22.000 Teilnehmern depressive Symptome.

Besonders der Verzicht auf die erste Mahlzeit des Tages scheint das Risiko für depressive Symptome zu erhöhen. Eine südkoreanische Studie am Seoul St. Mary's Hospital unter der Leitung von Professorin Tae Hye-jin und Professor Chae Jung-ho hat den Zusammenhang zwischen Mahlzeitenrhythmus und psychischer Gesundheit untersucht. Die Forschenden werteten dazu Daten von rund 22.000 Erwachsenen aus.

Großangelegte Untersuchung zeigt deutlichen Zusammenhang

Die Teilnehmer wurden befragt, wie oft sie im vergangenen Jahr Frühstück, Mittag- und Abendessen zu sich genommen hatten. Mahlzeiten, die seltener als fünfmal pro Woche eingenommen wurden, galten dabei als unregelmäßig. Zusätzlich erfassten die Wissenschaftler die Vielfalt der Ernährung und dokumentierten, wie oft Getreide, Gemüse, Obst, Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Milchprodukte verzehrt wurden. Depressive Symptome wurden mithilfe eines international anerkannten Fragebogens ermittelt. Die Ergebnisse sind eindeutig. Doch die südkoreanische Untersuchung steht nicht allein da. Eine deutlich größere genetische Analyse aus China bestätigt den Zusammenhang zwischen regelmäßigem Frühstücksauslassen und einem erhöhten Depressionsrisiko. Die chinesischen Forscher fanden einen Anstieg um 36 Prozent.

Analyse mit 1,8 Millionen Teilnehmern liefert weitere Erkenntnisse

Die chinesische Studie wertete Daten von mehr als 1,8 Millionen Menschen im Hinblick auf Depressionen aus. Rund 194.000 von ihnen lieferten dabei die genetischen Daten für den regelmäßigen Verzicht auf das Frühstück. Die Forscher untersuchten zudem 211 Darmkeime und fanden keinen Hinweis darauf, dass die Darmflora den Zusammenhang zwischen Essverhalten und Depression vermittelt. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant, wenn man sie im Kontext weiterer gesundheitlicher Auswirkungen betrachtet. Depression vorbeugen ist nicht nur eine Frage der Psychotherapie, sondern offenbar auch eine Sache des Lebensstils. Damit stützt die jüngere Forschung die These, dass unregelmäßige Mahlzeiten mit psychischer Gesundheit zusammenhängen könnten.

Frühstücksverzicht betrifft auch Stoffwechsel und Herz

Während sich aus den südkoreanischen Beobachtungsdaten kein direkter Kausalnachweis ableiten lässt, lieferte die chinesische Analyse mittels genetischer Methoden (Mendelsche Randomisierung) deutliche Hinweise auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Dennoch zeigen auch andere Studien ähnliche Muster. Eine Übersichtsarbeit in Nutrients mit 115.385 Teilnehmenden aus 9 Studien verband das Auslassen des Frühstücks mit einem höheren Risiko für das metabolische Syndrom. Auch ältere epidemiologische Befunde deuten in diese Richtung. Eine Harvard-Studie fand bei regelmäßigem Frühstücksauslassen ein um 27 Prozent höheres Risiko für koronare Zwischenfälle. Lebensmittel gegen Depressionen können also nicht nur die Stimmung aufhellen, sondern offenbar auch vor weiteren gesundheitlichen Problemen schützen.

Was bedeuten die Ergebnisse für den Alltag?

Fachleute betonen, dass nicht ein einzelnes ausgelassenes Frühstück entscheidend ist. Vielmehr geht es um wiederholt unregelmäßiges Essverhalten und einen dauerhaft verschobenen Mahlzeitenrhythmus. Wer morgens gelegentlich keinen Hunger verspürt, muss sich also keine Sorgen machen. Anders sieht es aus, wenn das Frühstück regelmäßig ausfällt. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass unregelmäßige Mahlzeiten mit psychischer Gesundheit zusammenhängen könnten. Neben der richtigen Ernährung spielen auch ausreichend Vitamine eine wichtige Rolle für die Stimmung.

Warum der Mahlzeitenrhythmus so wichtig ist

Der menschliche Körper folgt einem natürlichen Tagesrhythmus, der auch Hunger und Sättigung steuert. Wer regelmäßig zu festen Zeiten isst, unterstützt diesen Rhythmus. Das kann sich positiv auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und letztlich auch auf die Psyche auswirken. Besonders die erste Mahlzeit des Tages scheint dabei eine Schlüsselrolle zu spielen. Sie liefert dem Körper nach der nächtlichen Fastenphase Energie und wichtige Nährstoffe. Ein nährstoffreiches Frühstück mit Vollkornprodukten, Obst und Proteinen kann den Tag positiv beeinflussen.

FAQ

Kann ein ausgelassenes Frühstück Depressionen auslösen? Ein einzelnes ausgelassenes Frühstück führt nicht zu Depressionen. Problematisch wird es erst, wenn das Frühstück regelmäßig über einen längeren Zeitraum ausfällt und der Mahlzeitenrhythmus dauerhaft unregelmäßig ist.

Wie oft sollte man frühstücken, um das Depressionsrisiko zu senken? Studien zeigen, dass mindestens fünf Mal pro Woche gefrühstückt werden sollte. Ein regelmäßiger Mahlzeitenrhythmus scheint dabei entscheidender zu sein als die exakte Uhrzeit.

Welche Nährstoffe sind beim Frühstück besonders wichtig? Ein ausgewogenes Frühstück sollte Vollkornprodukte, Proteine und Vitamine enthalten. Besonders B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und komplexe Kohlenhydrate können die Stimmung positiv beeinflussen.

Gilt der Zusammenhang nur für das Frühstück? Nein, auch andere unregelmäßige Mahlzeiten wurden in der Studie untersucht. Das Frühstück scheint jedoch eine besonders wichtige Rolle zu spielen, da es den Tagesrhythmus prägt.

Was tun, wenn man morgens keinen Hunger hat? Wer morgens keinen Hunger verspürt, kann mit kleinen Portionen beginnen. Ein Smoothie, ein Stück Obst oder ein kleiner Joghurt sind besser als gar nichts. Der Körper gewehrt sich oft nach einigen Wochen an regelmäßiges Frühstücken.

Quellen
  1. Irregular meal frequency and depressive symptoms: Moderating roles of dietary diversity and breakfast skipping
  2. Depressive disorder (depression)